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Für Hochsensibilität sensibilisieren

    Ich bin stärker als die Wörter, die andere sagen, und größer als die Schublade, in die sie mich stecken wollen.

    Jede Gesellschaft weist geschätzt 15 bis 20 Prozent hochsensible Persönlichkeiten (HSP) aus. Davon sind wiederum ca. 70% introvertiert. Aufgrund ihrer Stille werden sie oft im Berufsalltag weder wahrgenommen noch wird ihr Potential genutzt. Für ihre Kollegen und Vorgesetzten gelten häufig sie als schüchtern bis “mimosenhaft”. 

    Viele Signale, reichere Innenwelt

    Hochsensibilität ist sicherlich keine Krankheit und auch kein psychischer Defekt. Demnach geht es auch nicht darum zu heilen oder zu helfen. Hochsensible Persönlichkeiten verfügen einfach über mehr parallele Wahrnehmungskanäle als der Durchschnittsmensch. 

    Das macht sie weder zu besseren noch schlechteren Mitarbeitern. Die aufgenommene Informationsdichte kann jedoch bei ihnen schneller zu einer Reizüberflutung und Überforderung führen. Häufig erleben HSP innere Konflikte mit Selbstkritik und Ängsten, da sie sich ihren eigenen Idealen gemäß als unzulänglich empfinden. Auch führt ihre oft höhere Empathie dazu, dass sie negative Emotionen bei anderen verhindern wollen. Das kann leicht zu eigenen Schuldgefühlen führen, wenn ihnen dies nicht wunschgemäß gelingt. 

    Dr. Elaine N. Aron zählt die Merkmale von Hochsensibilität wie folgt auf: 

    Erkennen und Stärken nutzen

    Viele Menschen sind selbst nicht für die eigene Hochsensibilität sensibilisiert. Eltern, Vorgesetzte und Personalleiter sind sich dessen meist ebensowenig bewusst. Dies führt nicht nur zu Missverständnissen, sondern kann diese Menschen in Isolation und Unglück treiben. Auch in den besten Persönlichkeitstests wird dieses Merkmal nicht ausgewiesen. Jedoch finden sich im Hogan Assessment starke Indikatoren dafür. Dieses kann dann im Interview nachgegangen werden kann. Und mit der Erkenntnis kommt die Erlösung – und die Nutzung der eigenen Stärken. 

    Jennifer Kersten hat dies durchlebt und ihre Gefühlswelt produktiv umgesetzt. In “Libellen auf der Autobahn” wandelt sie die eigene Biographie romanhaft um. Dabei versetzt sie den Leser immer wieder in die eigene Gefühlswelt. Damit wird für jeden nachvollziehbar, was HSP für diese Menschen in Berufs- und Privatleben bedeutet. Das führt den Leser zu Tränen und Lachen und bisweilen zu der bohrenden Frage: “Habe ich vielleicht selbst einmal eine Hochsensible Persönlichkeit durch mein Verhalten überfahren?”

    Der Leser erfährt nicht nur über die Schwächen und Stärken, sondern erhält Empfehlungen für den Umgang mit Hochsensiblen. Gleichermaßen bekommen auch diese Ratschläge, um besser mit ihrer Informationsflut klarzukommen. 

    Da die Autorin chronologisch ihren Werdegang anhand von Ereignissen und Erlebnissen schildert, ist das Buch reich an lebendigen Dialogen. Diese Vorgehensweise erlaubt es, trotz des Tiefgangs die Zeilen leichtfüßig entlangzuhuschen. Schneller und einfühlsamer kann man sich kaum hineinversetzen und gleichzeitig informieren. 

    Für Hochsensibilität sensibilisieren ist Anliegen der Autorin. Demnach werden immer wieder Faktenboxen eingesprengt. Sie helfen, die Geschichte in einen größeren, um nicht zu sagen gesellschaftlichen Kontext zu stellen. Experten-Interviews mit Ulrike Hensel und Prof. Dr. Waldemar Pelz runden Kerstens Erstlingswerk ab. 

    ...und dann kaum aufzuhalten

    Wenn Intensivsensible, so die Autorin Kathrin Sohst (“Zart im Nehmen“), sich ihrer eigenen Bedürfnisse bewusst sind, mit ihren Stärken auseinandersetzen und wenn sie einen Weg finden, diese auf ihre eigene Art und Weise umzusetzen, dann sie “kaum noch aufzuhalten”. Demnach sollten Arbeitgeber, Kollegen aber auch Eltern und Freunde nicht mögliche Herausforderungen meiden, indem sie Hochsensible von sich fern halten. Im Gegenteil: Sie sollten dies als Chance nutzen, ihr eigenes Leben und auch das ihres Unternehmens, der Unternehmenskultur zu bereichern. “Diversity” ist der Trend in der Teamkultur. Hochsensibilität gehört mit Sicherheit dazu. Langsam fangen wir an zu verstehen. 

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